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Hockerparade

Meine Stehhilfe ist ja eine feine Sache. Als meine Vermieterin die sah meinte sie, sie hätte noch einen dickeren standfesteren Stamm, den sie mir geben würde. Na prima, den nehme ich doch gerne.
So karrte der kleine Nachbarsohn den Stamm in seiner Schubkarre zu meiner Werkstatt. Dort befreite ich die zukünftige Sitzfläche erst einmal mit dem Stemmeisen vom Pilz. Eklige Sache, das.
Während ich noch überlegte, wie ich die Sitzfläche gestalte, verpasste ich meinem Fußschemel erst einmal „Ohren“, damit ich ihn besser tragen konnte. Da meine Schränke und Kommoden alle Metallknöpfe oder –ringe haben, besitze ich jede Menge Holzknaufe, die auch jeweils dabei lagen. Zwei davon durchbohrte ich erst einmal von oben, damit ich sie an den Stamm schrauben konnte.
Anschließend probierte ich mit dem Schaumstoff herum. Irgendwie war es total unbequem. Da fiel mein Blick auf  das alte Stuhlpolster, dass ich meinem Hund auf dem Boden bereitgelegt hatte. Das nahm ich, legte es auf den Stamm und saß Probe. Herrlich gemütlich war das. Das wäre auch ein schöner Barhocker geworden.
Die Sitzfläche mit Winkeln am Stamm befestigt tauschte ich meinen neuen Hocker gegen den alten aus, der wiederum einen neuen Platz bekam. Jetzt könnte ich sogar mit einem Besucher gemeinsam in der Werkstatt sitzen und arbeiten – oder eine Miniparty bei einem Gläschen Wein feiern.

Hocker und Schemel

Birkenstamm als Sitzmöbel

Ich weiß nicht, wie oft ich hin und her gerannt bin, vom Haus zur Werkstatt, von der Werkstatt zum Haus. Immer wieder habe ich etwas vergessen, was ich unbedingt in der Werkstatt brauchte. Einmal war es ein Bleistift, dann wieder eine Nadel, und das Schleifpapier habe ich schon fünfmal vergessen. Müde wird man von der Rennerei und Schlepperei.
Der eine Arbeitstisch ist so hoch gebaut, dass ich daran gut stehen kann. Dann bekomme ich auch keine Rückenschmerzen vom Hinunterbeugen. Aber ab und zu mal etwas absitzen oder anlehnen wäre auch nicht übel.
Auf meiner Terrasse stehen zwei Birkenstämme mit Blumenschalen obendrauf. Der eine ist etwas schräg und ich habe schon eine Weile darüber nachgedacht, dass das ein wunderbarer Hocker wäre.
Gedacht – Getan. So habe ich mir den Stamm in die Werkstatt geschleppt. Als erstes brauche ich Griffe, damit ich den Stamm leichter hin- und herschieben kann. Für den Sitz habe ich noch einen Rest Schaumstoff. Dass die Sitzfläche schräg ist, stört mich nicht besonders. Ich will mich ja nicht ausruhen, sondern nur mal kurz absitzen, wenn ich etwas aufschreiben möchte. Denn Schreiben im Stehen beherrsche ich nicht besonders gut.
Die Griffe sind schnell angeschraubt. Den Schaumstoff befestige ich mit dem Tacker und darüber lege ich einen Stoffrest, den ich mit einer dicken Kordel am Stamm fest wickele.
Beim Probesitzen stelle ich fest, dass der Schaumstoff dicker sein könnte. Ein wenig hart ist mein Hocker. Bei Gelegenheit werde ich einen dickeren Schaumstoff besorgen. Aber ich will mich ja nicht festsetzen, habe ich gesagt, also geht das vorerst einmal so.
Den passenden Fußschemel habe ich auch – ein Stück von meinem Birnbaum der dort stand, wo jetzt meine Werkstatt steht. Dem verpasse ich auch noch Knaufe, damit ich ihn tragen kann und nicht immer mit dem Fuß schieben muss.
Und so sieht meine Stehhilfe nun aus:

Hocker

Vera

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